Flanieren entlang der Straße der Romanik

Unterwegs in Sachsen-Anhalt (anlässlich meines Aufenthalts 2010 am Röderhof)

 

Bald nach der Wende erkannte das Bundesland Sachsen-Anhalt, dass man im Weltkonzert der Touristiker nur dann ein Solo wird spielen können, wenn man originär ist. Mit dem 1993 begonnen „Straße-der-Romanik“-Konzept werden die kulturhistorischen Schätze wirksam bekannt gemacht. Dass die Orte meist dennoch kein touristischer Hot-Spot sind, erfreut den Gelassenheit suchenden Reisender umso mehr.

 

An manchen Abenden in Halberstadt glaubte ich die Stadt für mich allein zu haben und zwar die ganze Stadt. Es erschien mir als Privileg, einsam auf dem Domplatz zu stehen und meinen Blick vom St. Stephanus und St. Sixtus geweihten Dom zur vis-a-vis liegenden Liebfrauenkirche zu lenken und wieder zurück. Mehrere Monate habe ich im Frühjahr 2010 hier in der Nähe als Writer-in-Residence des Kunstvereins Röderhof, der direkt neben der romanisch begründeten, von weither sichtbar über dem Huy (phon. „Hüh“) thronenden Huysburg liegt, verbracht. 


Dieses „Tor zum Harz“ hat mich nicht nur in diesen geführt, sondern mit vielen Orten und Sehenswürdigkeiten des ganzen Bundeslandes bekannt gemacht. Die um 950 einsetzende Romanik kann als die erste einheitliche Kunstepoche des Mittelalters bezeichnet werden. Weshalb sich so viele Sakralbauten in diesem westlichen Bundesland des östlichen Deutschland finden, ist verständlich. Immerhin verlief hier eine wesentliche Grenze von germanischem und slawischem Siedlungsgebiet. 

 

Dome und Burgen, Kirchen und Klöster

 

Aus gutem Grund preist Sachsen-Anhalt dieses Erbe, derzeit insgesamt 65 über ganz Sachsen-Anhalt verteilte Orte bieten mit 80 Bauwerken kunsthistorisch Interessierten ein beinahe unerschöpfliches Reservoir an Ausflugszielen. Zur besseren Bewältigung gibt es eine Unterteilung in eine Nord- und eine Südroute dieser sogenannten „Straße der Romanik“.  Zugegeben, die Bezeichnung führt in die Irre, ist doch eine Vielzahl der Objekte zwar ursprünglich romanisch, oft jedoch gotisch erneuert. Ein gutes Beispiel dafür ist der Halberstädter Dom. Schon um 804 wird der Missionsstützpunkt zum Bischofssitz, womit natürlich die Errichtung einer imposanten romanischen Kirche verbunden war.

Claudia Becker vom Halberstädter Domschatz sind viele Zuhörer und Zuhörerinnen zu wünschen. Sie ist für Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich und führt mich mit einer so mitreißenden Begeisterung durch den Dom und das Museum, dass mir die wenigen Zeilen, die ich dem mit 650 Stücke umfassenden Halberstädter Domschatz, einem der weltweit kostbarsten, widmen kann, die ganze Tragik journalistischer Knappheit bewusst machen. Beachtliche 250 Jahre baute man an diesem Dom, der zwischen 1236 und 1486 entstand. „Erstaunlich ist, dass man den einmal gefassten Plan vollendet hat“, wie Becker ausführt, „es lässt sich ferner gut erkennen, dass der gotische Dom den romanischen umbaut hat.“ (...)

Seit 2000 sind viele Reportage über Länger, Regionen und Städte erschienen. Den Schwerpunkt bilden europäische Destinationen und kunsthistorische Aspekte.